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Jubiläumsbeilage

Wir sind aus Tradition modern

Dies ist einer der vier Leitsätze der Malteserarbeit. Er versucht, den Bogen vom Malteser Orden, der vor 900 Jahren in Jerusalem gegründet wurde, zum Malteser Hilfsdienst als tätiges Werk des Ordens zu schlagen. Unser Jubiläum, 40 Jahre Malteser Hilfsdienst in der Diözese Würzburg, ist ein Wimpernschlag der Zeit in diesem Kontext. Und trotzdem lässt sich an der Entwicklung des Malteser Hilfsdienstes in der Diözese der in die Tat umgesetzte Leitsatz verdeutlichen.

1962 haben sich Menschen zusammengefunden, um ihren Mitmenschen in deren Nöten Hilfe anzubieten. Unter der Führung des Diözesanleiters Richard-Franz Freiherr von Bechtolsheim kam es in kurzen Zeitabständen zur Gründung von Orts- und Stadtverbänden, verteilt über das gesamte Bistum. Inzwischen haben die Malteser ein Netz der Hilfe über die gesamte Diözese gespannt, dessen Koordinaten von Aschaffenburg bis Haßfurt, von Mellrichstadt bis Würzburg reichen.

Die Dienste, die von den Maltesern in dieser Zeit aufgebaut worden sind, haben sich an Aufgaben und Problemen der Zeit orientiert. Dies trifft für die Breitenausbildung, den Sanitätsdienst und den Rettungsdienst genauso zu wie für den Katastrophenschutz, der im In- und Ausland eingesetzt wurde und wird. Die Osteuropahilfe war Antwort auf die Armut, sichtbar geworden nach dem Ende des Kommunismus; die Besuchs- und Betreuungsdienste waren Reaktion auf die zunehmende Vereinsamung älterer Menschen in unserer Gesellschaft. Seit über zehn Jahren gibt es diözesanweit die Malteser Hospizarbeit, die Menschen auf ihrem letzten Weg Unterstützung und Beistand anbietet. Mit diesem Dienst wird die Anbindung an die Ordenstradition, Hilfe für Kranke und Sterbende zu bieten, deutlich erkennbar.

Unsere Zukunftschance besteht darin, dass wir unser Gespür für die Nöte der Menschen in der jeweiligen Zeit nicht verlieren, dann wird unser Leitsatz „Wir sind aus Tradition modern“ auch in 40 Jahren noch Gütigkeit haben.

Herbert Kiesel
Regionalgeschäftsführer


Vor 40 Jahren, am 1. September 1962, haben die Malteser in der Diözese Würzburg die Arbeit aufgenommen. Ihren Fuhrpark haben sie in der Folgezeit kontinuierlich ausgebaut.

Ein Weltrekordversuch zum Jubiläum

40 Jahre Malteser in der Diözese Würzburg

Eine Reise nach Malta, eine Fahrt mit einem Heißluftballon und ein Versuch, ins Guinness-Buch der Rekorde zu gelangen: Das sind die Höhepunkte einer Jubiläumsfeier, zu der die Malteser am Sonntag, den 29. September, in Würzburg einladen. Das Fest zum 40-jährigen Bestehen der Malteser in der Diözese Würzburg findet auf dem Paradeplatz hinter dem Dom statt, zum Mitfeiern ist die gesamte Bevölkerung eingeladen. Neben Gewinnspiel und Rekordversuch bieten die Maltesern ihren Besuchern an diesem Tag zahlreiche weitere Attraktionen.

„Das größte Verbandpäckchen der Welt“ - mit diesem Eintrag wollen die Malteser demnächst im Guinnessbuch der Rekorde verzeichnet sein. Dazu benötigen sie aber die Hilfe der Festgäste. Weil es nicht Ziel der Aktion ist, möglichst viele Verbandpäckchen zu kaufen und aneinander zu knoten, sind die Malteser auf der Suche nach Verbandpäckchen, deren Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Die meisten davon finden sich in der Regel in Auto-Verbandkästen, die seit Jahren nicht mehr geöffnet wurden. Aber auch in so mancher Hausapotheke, im Medizinschrank oder in der Nachttischschublade liegen Exemplare, die im Ernstfall nicht mehr zur Verwendung kommen sollten. Deshalb: raus damit und ab zu den Maltesern, damit der Rekordversuch ein Erfolg wird. Mitmachen nutzt nicht nur den Maltesern: Denn für jedes abgelaufene Päckchen gibt es am Sonntag im Austausch ein neues zurück - allerdings nur so lange der Vorrat reicht.

Eine Woche Malta für zwei Personen im Januar: Dies ist der erste Preis des Rätselspiels, das die Malteser auf ihrem Jubiläumsfest veranstalten. „Wie viele Kugelschreiber befinden sich in diesem Inkubator“, lautet die Frage, die beantwortet werden muss. Und wer die Lösung weiß oder ihr am Nächsten kommt, gewinnt. Auch die weiteren Preise sind attraktiv: Auf den Zweitplatzierten wartet eine Fahrt mit dem Heißluftballon über der Diözese Würzburg; für Rang 3 gibt es eine komplett ausgestattete Hausapotheke. Je einen Gutschein für die Teilnahme an einem Erste-Hilfe-Kurs der Malteser erhalten die Gewinner auf den Plätzen 4 bis 10. Die Ziehung der Gewinner erfolgt unter der Aufsicht eines Rechtsanwaltes; bei mehreren richtigen Schätzungen entscheidet das Los.

Von 10 Uhr bis 15 Uhr dauert das Malteser Fest. Es beginnt mit einem Pontifikalamt im Kiliansdom mit Bischof Paul-Werner Scheele, das von Malteser Helfern mitgestaltet wird. 

Auf dem anschließenden Fest am Paradeplatz hinter dem Dom ist ab etwa 11.30 Uhr gute Unterhaltung garantiert: Der Malteser Musikzug aus Mellrichstadt sorgt für Stimmung. Drei Feldküchen lassen mit Gulasch, Braten, Mexiko-Pfanne und Pommes dem Hunger keine Chance. Selbstverständlich gibt es vom Wasser bis zum Wein auch alles gegen den Durst. Kinder können sich in einer Spielstraße kreativ beschäftigen, während ihre Eltern essen, trinken oder sich über die Arbeit der Malteser informieren. Denn selbstverständlich besteht auch dazu die Gelegenheit: In einer „Info-Straße“ präsentieren sich die zahlreichen Dienste, in jeder Abteilung geben Helfer gerne Auskunft über die Angebote, die in den vergangenen vier Jahrzehnten von der Maltesern in der Diözese Würzburg aufgebaut wurden.


Eine Reise für zwei Personen zu den Wurzeln der Malteser - auf die Mittelmeer-Insel Malta - ist der 1. Preis bei einem Gewinnspiel, das die Malteser am 29. September 2002 auf dem Paradeplatz hinter dem Würzburger Dom veranstalten.


„Hängt die Malteser an ihren Rosenkränzen auf“

Im Rettungsdienst herrschte vor wenigen Jahrzehnten ein rauer Ton

Mit jährlich über 600.000 Einsätzen im Rettungsdienst sind die Malteser eine nicht mehr wegzudenkende Säule der Notfallversorgung in Deutschland. Und das mit höchster Qualität. So haben es die Malteser geschafft, als erste Rettungsdienstorganisation bundesweit und flächendeckend ein Qualitätsmanagementsystem einzuführen und dieses nach europaweiten Normen zertifizieren zu lassen. Bis dahin war es jedoch ein weiter Weg mit etlichen Irrwegen, Sackgassen und jeder Menge Schlaglöcher.

In den Anfängen des Rettungsdienstes in Deutschland nahm ein ehrenamtlicher Helfer über die Telefonnummer 55555 einen Notruf entgegen und verständigte anschließend,


Ein Bild aus alten Tagen: So sah der Fuhrpark der Malteser Würzburg zu Beginn der 70er-Jahre aus. In der Mitte der erste Notarztwagen, ein Opel.

ebenfalls per Telefon, einen Ersthelfer, der zu Hause wartete. Mit dem Rettungsfahrzeug holte er diesen ab, und die zwei machten sich auf den Weg zum Einsatzort.

Wenn mehrere Unfallbeobachter den Rettungsdienst unabhängig voneinander alarmierten, konnte es passieren, dass Helfer verschiedener Organisationen losfuhren. Geld bekam natürlich nur derjenige, der den Verletzten tatsächlich versorgte und abtransportierte. Keine Wunder, dass es immer wieder zu Streit und ausführlichem Schriftverkehr zwischen den Konkurrenten kam. „Modernes Raubrittertum“ war eine Bezeichnung, die in diesen Jahren häufig in Verbindung mit dem Rettungswesen fiel. Wie rau die Sitten waren, zeigt eine Aktenotiz aus dem Malteser Archiv. In ihr beschwert sich der Malteser Arzt Dr. Paul Henselmans, dass „ein Fahrer des Bayerischen Roten Kreuzes sich bei einem telefonischen Anruf des Malteser Hilfsdienstes im Hintergrund geäußert habe, man solle die Malteser an ihren eigenen Rosenkränzen aufhängen.“

Als Mittel gegen Streit und unnötige Doppelfahrten trafen die Hilfsdienste in den 60er-Jahren erstmals Absprachen: In Würzburg zum Beispiel wechselten sich Rotes Kreuz und Malteser Hilfsdienst in 14-tägigem Rhythmus ab, und die Johanniter Unfallhilfe übernahm die Wochenenden. 1975 nahmen in Bayern Rettungsleitstellen die Arbeit auf und koordinieren seitdem die Einsätze zentral.

Rund um die Uhr im Einsatz
Heute ist das Verkehrsaufkommen so groß, sind die Notfälle so zahlreich, dass alle Hilfsorganisationen täglich im Einsatz sind. Seit Mitte 2000 stellen die Malteser in Würzburg mindestens einen Rettungswagen mit Besatzung rund um die Uhr. Ergänzt wird das Team mit dem Notarztdienst: Dabei wird der Notarzt in einem speziellen Fahrzeug unmittelbar zum Einsatzort gebracht und leitet dort die intensivmedizinische Versorgung des Verletzten ein.

Die Erkenntnis, dass die Überlebens- und Heilungschancen der Patienten wesentlich größer sind, wenn fachgerechte Versorgung schon am Notfall-Ort einsetzt, hat zu einer ständigen Verbesserung der Ausbildung geführt. Bereits Mitte der 70er-Jahre begannen die Malteser mit der systematischen Ausbildung ihres Personals zu Rettungssanitätern. Bald war es die Regel, dass nur Helfer mit dieser fundierten Ausbildung zum Einsatz kamen. Diese intensiven Schulungen wurden Ende der 80er-Jahre durch die Berufsausbildung zum Rettungsassistenten ergänzt, so dass seit rund zwölf Jahren nur noch hoch qualifiziertes Personal in der Unfallrettung tätig ist.

Schneller, besser, qualifizierter: Die Entwicklung des Rettungsdienstes ist natürlich auch an den Fahrzeugen nicht spurlos vorüber gegangen. War der Rettungswagen in den 60er-Jahren mehr oder weniger ein Transportfahrzeug, wurde er zehn Jahre später mit der standardmäßigen Einrichtung von EKG und Defibrillator zu einem Rettungsmittel. Die Malteser haben auch hier konsequent auf Verbesserungen geachtet. In den 80er-Jahren führten sie die Fahrtrage ein; ab 1996 arbeiteten sie an einem Qualitätsmanagementsystem, das 1998 ausgestellt wurde und seitdem regelmäßig erneuert wird.

Mit zunehmender Verkehrsdichte und steigenden Unfallzahlen bekam der Hubschrauber im Rettungsdienst eine immer größere Bedeutung. Mit ihm können Notarzt und Rettungssanitäter auch bei verstopften Straßen und in ländlichen Gebieten schnellstmöglich zu den Verletzten gelangen, sie versorgen und bei Bedarf schonend in die Klinik transportieren. Der am Kreiskrankenhaus Ochsenfurt stationierte Rettungshubschrauber „Christoph 18“ wird zur Hälfte der Einsatzzeit mit Personal der Malteser besetzt.

Krankentransporte und Rettungsdienst werden heute von den hauptamtlich besetzten Malteser Dienststellen in Aschaffenburg, Mellrichstadt, Schweinfurt und Würzburg aus geleitet. Dabei zeigt sich immer wieder, dass die Malteser auf alles vorbereitet sein müssen und trotzdem noch manche Überraschung erleben. So hat schon mancher Helfer, der einen Verletzten versorgen wollte, stattdessen einem Baby auf seinem Weg in die Welt geholfen.


Die Malteser Dienste

Die Malteser Ausbildung
Pflegen und helfen: Wer die Ausbildungskurse der Malteser besucht hat, ist darin fit. Zum Angebot gehören Kurse in Erster Hilfe und in Lebensrettenden Sofortmaßnahmen, für Schwesternhelferinnen und für die Pflege.

Der Malteser Auslandsdienst
Seit Gründung des Malteser Hilfsdienstes ist die Auslandsarbeit ein fester Bestandteil seiner Aufgaben. Bei Großkatastrophen stellen Ärzte, Krankenschwestern und Techniker ihre Erfahrung und ihr Können zur Verfügung.

Die Malteser Besuchsdienste
Wer alt ist und alleinstehend oder behindert, dem droht die Vereinsamung. Diesem Schicksal wollen die Malteser mit ihrem Besuchs- und Betreuungsdienst entgegenwirken.

Der Malteser Fahrdienst
Die Malteser bringen Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die behindert sind, in Kindergärten, Schulen und Werkstätten. Für Rollstuhlfahrer bieten sie in Würzburg und Schweinfurt individuelle Fahrten an.

Der Malteser Hausnotruf
Sicherheit und Service zu Hause rund um die Uhr bieten die Malteser mit dem Hausnotrufgerät. In Notsituationen können die Teilnehmer jederzeit auf Knopfdruck Sprechkontakt mit den Maltesern aufnehmen und Hilfe anfordern.

Die Malteser Hospizarbeit
„Zusammen leben bis zuletzt“ - ist der Leitsatz der Malteser Hospizarbeit. Der Malteser Tradition und dem christlichen Glauben verbunden, leistet sie das zugewandte Begleiten von Menschen am Ende ihres Lebens.

Die Malteser Jugend
Seit 1980 gibt es die Malteser Jugend. Die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen schließen sich in Gruppen zusammen, die sich regelmäßig treffen und von ausgebildeten Gruppenleitern betreut werden.

Die Malteser Katastrophenhilfe
Sanitätsdienst, Versorgung und Betreuung: Auf diesen Gebieten übernehmen die Malteser bei Großveranstaltungen wie Konzerten und Sportereignissen die Betreuung der Teilnehmer. Im Katastrophenfall kümmern sie sich um die Betroffenen. 

Der Malteser Mahlzeitendienst
Der Mahlzeitendienst bietet eine schmackhafte Auswahl aus Diät-  und Schonkost, fleischlos oder Vollkost. Tiefkühlkost wird im Wochenkarton portioniert geliefert. Frisch zubereitete Mahlzeiten bringt das freundliche Malteser Team pünktlich ins Haus. 

Der Malteser Rettungsdienst
Mit jährlich über 600.000 Einsätzen im Rettungsdienst sind die Malteser eine nicht mehr wegzudenkende Säule der Notfallversorgung. Bei Notfällen im Ausland sorgt der Rückholdienst für einen sicheren, komfortablen und schnellen Transport in die Heimat.

Ein donnernd Helau zum Essen


Heißes Essen, auf Porzellan serviert, das bieten die Malteser in Würzburg und in Bad Kissingen

Es ist schon zur Tradition geworden: Jedes Jahr zur Faschingszeit bringt das Würzburger Prinzenpaar Kunden des Malteser Mahlzeitendienstes an einem Tag ihr Essen vorbei - und natürlich auch viel Stimmung und gute Laune.

 „Wir freuen uns sehr darüber, dass diese Aktion inzwischen ein fester Bestandteil unseres Angebots ist“, sagt Elisabeth Kuhn, Leiterin Soziale Dienste bei den Maltesern: „Wir möchten unseren Kunden, die oft durch Alter oder Behinderung an ihre Wohnung gebunden sind, mehr bieten als „nur“ Essen, und dazu gehören eben auch solche Überraschungen wie der Faschingsprinz.“

In vergangenen Jahr freute sich Immakulata Herbert besonders auf den Besuch von Johannes I. und Claudia I. „Dann ist endlich mal wieder was los bei mir,“ sagte die 82-Jährige, als ihr das Prinzenpaar angekündigt wurde. Sie ist schon seit 1996 Kundin des Malteser Mahlzeitendienstes und bekommt seitdem täglich ihr Essen von den Maltesern. Für den heutigen Samstag hat sie sich das Vollkostessen aus dem Malteser Speiseplan ausgesucht: Rahm­schnitzel mit Spätzle und Salat.

Der Malteser Mahlzeitendienst versorgt seit Beginn der 80er-Jahre alte und behinderte Menschen in Würzburg mit warmem Essen. Begonnen mit einem kleinen Kundenkreis nur in Grombühl liefern die Malteser bereits seit Jahren in Stadt und Landkreis Mahlzeiten aus.

Frisch zubereitet und heiß auf den Tisch

Der Mahlzeitendienst befriedigt jeden Geschmack

Eine warme Mahlzeit am Tag ist ein wichtiger Beitrag zu einer gesunden Lebensweise - gerade auch für ältere Menschen. Untersuchungen zeigen jedoch, dass im Alter aus den unterschiedlichsten Gründen häufig die Küche kalt bleibt und die Ernährung einseitig und unausgewogen wird. 

Abhilfe bietet hier der Malteser Mahlzeitendienst. Schmackhafte Menüs nach den neuesten Erkenntnissen der Ernährungswissenschaft erstellt; eine große Auswahl aus Diät- und Schonkost, fleischlosen Menüs und Vollkost; frische Zutaten frisch ins Haus geliefert - da ist die gesunde Abwechslung garantiert. Der Malteser Mahlzeitendienst bietet eine regelmäßige Versorgung mit schmackhaften Menüs zu fairen Preisen und das freundliche Malteser Team bringt die gewählten Mahlzeiten pünktlich ins Haus.

In der Diözese Würzburg besitzt der Mobile Mahlzeitendienst, besser bekannt als „Essen auf Rädern“, drei Standbeine. Tiefkühlkost ist eines davon, und das älteste. Seit Mitte der 80er-Jahre liefern die Malteser in Kartons verpackt einmal pro Woche fünf bis sieben Tiefkühlmenüs ins Haus, die von den Kunden nach Wunsch aufgetaut und heiß gemacht werden können. Das Angebot gibt es heute noch vor allem in Gegenden, die so weit außerhalb liegen, dass ein heißes Essen dort nur noch lauwarm ankäme. Aber auch Kunden, die flexibel und unabhängig ihren Tagesablauf gestalten möchten und deshalb nicht täglich zur festen Stunde zu Hause auf den Essensboten warten wollen, nutzen diesen Service. 

Bei der Tiefkühlkost besteht die Möglichkeit, aus mehreren Wochen-Paketen auszuwählen, es gibt verschiedene Vollkostangebote und leichte Vollkost, die auch für Diabetiker geeignet ist. 

Große Nachfrage nach Frischkost
Zweites Standbein des Malteser Mahlzeitendienstes ist die Auslieferung heiß aufbereiteter Tiefkühlkost. In Würzburg starteten die Malteser diesen Dienst im Oktober 1994 - allerdings nur in einzelnen Stadtteilen und Randgemeinden - und halten ihn bis heute aufrecht. Die Vorteile für den Kunden sind klar: Das Essen kommt heiß und verzehrfertig ins Haus; die Aufbewahrung in der Tiefkühltruhe und das Zubereiten entfallen. Vor allem für bettlägerige Menschen und Menschen, die nur noch eingeschränkt mobil sind, stellt dieses Angebot ein großes Plus dar.

Noch nicht einmal zwei Jahre alt ist der dritte Zweig des Malteser Essensangebotes in Würzburg: Durch die Zusammenarbeit mit der Küche des Juliusspitals wurde es möglich, frisch zubereitete Menüs aus regionalen Produkten auf Porzellangeschirr in der Stadt und den angrenzenden Gemeinden auszuliefern. Vier Menüs täglich stehen zur Auswahl, von Normalkost über Schonkost bis zu Sonderwünschen für Diabetiker und Vegetarier, an sieben Tagen die Woche. Je nach Hunger, beziehungsweise Appetit liefert der Mahlzeitendienst ein dreigängiges Menü oder nur das Hauptgericht. Wer will, muss nicht die gesamte Woche buchen, sondern kann individuell einzelne Tage auswählen. Ein Angebot, das auf so große Nachfrage stieß, dass die Würzburger Malteser zurzeit gar nicht alle Bestellungen annehmen können. Rund 100 frisch zubereitete Essen fahren die Zivildienstleistenden und Helfer täglich aus, mehr schafft die Küche des Juliusspitals nicht. Die Malteser Würzburg sind allerdings intensiv auf der Suche nach einer weiteren Kantine, mit der sie in Zukunft noch mehr Kunden beliefern können.

In der Diözese Würzburg bieten Frischkost bislang sonst nur noch die Malteser in Bad Kissingen an. Es wird in den Luitpoldkliniken zubereitet und kommt täglich heiß und auf Porzellan ins Haus.

In Mellrichstadt laufen zurzeit die Verhandlungen, damit auch im Kreis Rhön-Grabfeld in Zukunft Frischkost die Palette erweitert. Damit möglichst jeder das Essen bekommt, das er sich wünscht, und das ihm bekommt


Fit für die Pflege und Erste Hilfe

Malteser bieten ein breites Ausbildungsangebot

Pflegen und helfen: Unter diesen Überschriften lassen sich die Ausbildungsangebote der Malteser in der Diözese Würzburg zusammenfassen. In speziell auf bestimmte Bedürfnisse zugeschnittenen Kursen lernen die Teilnehmer, wie sie im Notfall schnell und richtig helfen können. Führerscheinbewerbern vermitteln die Malteser in den Kursen „Lebensrettende Sofortmaßnahmen“ alles, was sie vom Absichern der Unfallstelle bis zur Herz-Lungen-Wiederbelebung wissen müssen. Wer sein Wissen und seine Fähigkeiten,


Richtiges Helfen will gelernt sein. Deshalb bieten die Malteser spezielle Kurse bereits für Kinder an.

auch über Notfälle im Straßenverkehr hinaus, vertiefen möchte, kann dies in einem Kurs in Erster Hilfe tun. Und wer viel mit Kinder zu tun hat, findet bei den Maltesern auch das passende Angebot: Gerade weil Kinder auf ihrem Weg, die Welt zu entdecken, in Situationen geraten können, in denen schnelles Handeln lebensrettend ist, haben die Malteser einen Kurs entwickelt, der auf Notfälle im Säuglings- und Kindesalter vorbereitet.

Wer pflegebedürftige Menschen betreuen will, sei es im Beruf oder privat bei sich zu Hause, erhält in den Kursen der Malteser das notwendige Know-how. Zu den Ausbildungsinhalten im Schwesternhelferinnen-Lehrgang gehören Grundlagen der Anatomie ebenso wie die Mithilfe bei Pflege und Therapie. Der Lehrgang zur Schwesternhelferin in der ambulanten Pflege bereitet darüber hinaus auf die Besonderheiten der häuslichen Pflege vor. Im Kurs „Häusliche Pflege“ lernen die Teilnehmer, wie sie Angehörige zu Hause optimal betreuen können. Die Malteser führen dabei in die Grundlagen einer menschenwürdigen und aktivierenden Pflege ein.

In allen Kursangeboten der Malteser vermittelt erfahrenes Lehrpersonal aus der Praxis das spezielle Wissen. Dabei zeigen die Ausbilder mit Hilfe moderner Medien und zeitgemäßer Unterrichtsformen, worauf es im Notfall ankommt. Über die aktuellen Angebote informieren die Bezirksgeschäftsstellen in Würzburg, Schweinfurt, Aschaffenburg und Mellrichstadt.

Ein Dank an Rekordausbilder

Mehr als 3000 Kursbesucher unterrichtet

Mit einem „Rekord-Essen“ hat Diözesanleiter Richard-Franz Freiherr von Bechtolsheim besonders engagierte Malteser Ausbilder belohnt.

Rund 1500 Menschen haben Bernd Siara und Volker Weiß im vergangenen Jahr in Erster Hilfe und in lebensrettenden Sofortmaßnahmen unterrichtet. Die beiden sind ehrenamtliche Ausbilder im Würzburger Malteser


Ehrung für engagierte Ausbilder

Stadtverband. „Ich habe Freude an der Sache und der Umgang mit Menschen macht mir Spaß“, erklärt Siara seine Motivation, sich als Ausbilder zu engagieren. Die Kenntnisse und Fähigkeiten, die er als Offizier im Beruf gewonnen habe, wolle er jetzt als Rentner nicht „vor dem Fernseher verplempern.“ Exakt 1335 Menschen haben die Aschaffenburger Wiltrud und Tarun Dutta im Jahr 2001 ausgebildet. Fast täglich waren sie für die Malteser unterwegs. Der Grund ihres Engagements: „Wir sind halt Malteser. Verrückte Malteser“. Rund 250 Menschen hat Renate Brandstädter aus Mellrichstadt unterrichtet. Besonders angetan hat es ihr die Ausbildung von Kindern. Dafür hat sie sich eigens ein Puppenstück ausgedacht, um die Kleinen auf spielerische Weise mit dem Thema Notfall vertraut zu machen.

Mit dem Essen, das in diesem Jahr zum ersten Mal stattfand, wollte Baron von Bechtolsheim „ein kleines Zeichen des Dankes und der Anerkennung“ setzen.


Der schwierige Abschied vom Leben

Malteser Hospizhelfer begleiten Sterbende und ihre Angehörigen

Marion Burkard ist Hospizhelferin in Miltenberg im Landkreis Aschaffenburg. Begonnen hat sie ihr ehrenamtliches Engagement mit Einsätzen an den Betten von Sterbenden in Krankenhäusern und Altenheimen. Nachdem sie dort Erfahrung gesammelt hatte, folgte bald die erste Betreuung einer Sterbenden „zu Hause“. Eine Begleitung, der ihr noch heute im Gedächtnis haftet.


Die liebevolle und ganzheitliche Begleitung von schwer kranken und alten Menschen in ihrer letzten Lebensphase ist Aufgabe der Malteser Hospizarbeit.

„Die Frau war 62 Jahre alt und hatte Krebs im Endstadium“, erinnert sich Burkard. Die letzte Chemo-Therapie mussten die Ärzte wegen einer Reihe von Nebenwirkungen abbrechen, gleichzeitig waren im Körper der Frau neue Metastasen entdeckt worden. Weitere medizinische Hilfe war nicht mehr möglich, für die Mediziner war ihre Patientin „austherapiert“. Nachdem ihr im Krankenhaus nicht mehr geholfen werden konnte, hatte die Frau einen Wunsch: nach Hause entlassen zu werden, um in ihrer gewohnten Umgebung sterben zu können. Die Klinik organisierte ein Pflegebett, Pflegestuhl und sonstige wichtige Utensilien. Die Sozialstation vor Ort wurde mobilisiert und schickte zweimal am Tag - morgens und abends - eine Pflegekraft. Der Pfarrer aus dem Nachbarort kam regelmäßig morgens zum Beten vorbei.

"Es geht zu Ende"
Ab diesem Moment war auch Marion Burkard im Einsatz, denn die 62-Jährige hatte für ihre letzten Lebenswochen um die Begleitung einer Hospizhelferin der Malteser gebeten. „Als ich sie das erste Mal besuchte, lag sie gemütlich gebettet mitten im Wohnzimmer und konnte durch das große Wohnzimmerfenster ihren alten Gemüsegarten betrachten“, erzählt Burkard. Zu dieser Zeit sei die 62-Jährige noch wach, ansprechbar und geistig fit gewesen. Schon in den ersten Gesprächen zeigte sie, dass sie sich über ihren Zustand keine Illusionen machte. Ihr war klar: „Es geht zu Ende.“ 

Ganz anders hingegen ihr Mann: Er war der Auffassung, dass seine Frau nur vorübergehend krank sei. Jetzt, da sie nicht mehr im Krankenhaus sei, und er sie pflegen könne, würde es nicht mehr lange dauern, bis sie wieder gesund sei, war seine feste Überzeugung. Vom Sterben sei bei ihm folgerichtig nie die Rede gewesen. „Da wusste ich, dass ich nicht nur die Frau zu begleiten hatte“, sagt die Hospizhelferin.

Tiefe Gespräche über Tod, Loslassen, Trauer und Schmerz führte Marion Burkard mit der Sterbenden. Der Ehemann verfolgte die Treffen vom Nebenzimmer aus. Erst später, nach einer Reihe von Besuchen durch die Hospizhelferin, gesellte er sich zu den Frauen. „Ich werde den Moment nie vergessen, als wir zu dritt zusammen saßen und weinten“, erinnert sich Burkard. Eine Situation, der sie noch öfter begegnen sollte. Die Erfahrung aus der Begleitung von vielen Sterbenden hat sie gelehrt, dass immer wieder Momente auftauchen, „da gibt es keine Worte mehr und auch keine Gebete.“

Die gemeinsamen Tränen halfen dem Mann, seine Trauer wahrzunehmen. Allmählich begriff er, dass seine Frau sterben würde - trotz seiner Pflege und seiner Liebe. Als sie dann später im Koma lag, unterhielt er sich ausführlich mit der Hospizhelferin. Von seinen Kindern und Enkelkindern habe er erzählt, von Erlebnissen mit seiner Frau - und auch von der Zukunft „ohne sie“. Ganz allmählich, mit der Zeit und mit den Gesprächen habe er den Tod akzeptiert.

Sterben in Geborgenheit
Gestorben sei die Frau dann in seinen Armen, umringt von ihren Kindern, erzählt Burkard. Ihr Mann ließ sie über Nacht daheim, nahm von ihr lange Abschied und ließ sie erst am darauf folgenden Tag vom Beerdigungsinstitut abholen.

Den Aufbau der Hospizarbeit in der Diözese Würzburg haben die Malteser am 25. September 1991 beschlossen. Im Mai 1992 ließ sich eine erste Gruppe zu Hospizhelfern und - helferinnen ausbilden, nach und nach entstanden weitere Gruppen in der Diözese. Ihr Auftrag ist die liebevolle, ganzheitliche Begleitung von schwerst kranken oder alten Menschen in ihrer letzten Lebensphase sowie die Begleitung der Angehörigen. Das Würzburger Konzept findet in den folgenden Jahren zahlreiche Nachfolger in anderen Diözesen. Es handelt sich dabei um die „konkrete Realisation eines Weges, einer Haltung, eines Dienstes,

der vor 900 Jahren vom Malteser Ritterorden eingeschlagen worden ist“, wie Martina Mirus, Verantwortliche für die Hospizarbeit in der Diözese Würzburg, sagt.

Hospizhelferinnen und -helfer aus der Diözese Würzburg bei einem ihrer regelmäßigen Treffen.

Hospizarbeit - 
Was ist das?

Malteser Hospizarbeit ist die liebevolle, ganzheitliche Begleitung von schwerstkranken oder alten Menschen in ihrer letzten Lebensphase sowie die Begleitung der Angehörigen. Sie lässt sich weder auf einen eingegrenzten Zeitraum, noch durch medizinische Diagnose festlegen und ist unabhängig vom Grad der Verwandtschaft. 

Malteser Hospizarbeit wird getragen von christlichem Glauben, Hoffen und Lieben. In Anerkennung und Achtung vor der Würde eines jeden Lebens ist die Aufgabe der Malteser Hospizbegleitung:

die verbleibende Lebensqualität, so weit wie möglich zu gestalten helfen

auf körperliche, soziale, emotionale, geistige und spirituelle Bedürfnisse individuell einzugehen

die Auseinandersetzung mit Sterben, Tod und Trauer zu ermöglichen

Hilfen zur Aufarbeitung persönlicher Lebenskrisen anzubieten 

durch treue Begleitung menschlich nahe zu sein

der jeweiligen spirituellen Dimension Raum zu geben.

Zur Unterscheidung zum reinen Besuchsdienst verstehen sich Hospizhelferinnen und –helfer als ganzheitliche Begleiter in der letzten Lebensphase und stehen gerade für die Auseinandersetzung um die letzten existenziellen Dinge zur Seite, ihre Begleitung ist konstant -  für die Angehörigen auch über den Tod hinaus.

Viele Hospizbegleitungen beginnen ähnlich wie normale Besuche, sie dienen dem Aufbau einer tragfähigen Beziehung und ermöglichen später eine tiefgehende zwischenmenschliche Basis, die für die Verarbeitung der Probleme in der letzten Lebensphase oft notwendig ist.

Ihr Anliegen ist es, Menschen in ihrer letzten Lebensphase nicht allein zu lassen und sie auf ihrem letzten Stück Lebensweg zu begleiten. Der Wert und die Bedeutung dieses Geschehens liegen in der offenen, wertschätzenden, christlichen Grundhaltung, der treuen Begleitung und in der zwischenmenschlichen Beziehung, die die Hospizhelfer gegenüber dem Sterbenden und seinen Angehörigen aufzubauen versuchen.

Informationen zur Hospizarbeit, zur Ausbildung zum Hospizhelfer oder zu einer Begleitung gibt es in allen Bezirksgeschäftsstellen der Malteser in der Diözese Würzburg.


Weltweit schnelle Hilfe im Krisenfall

Malteser Einsatzkontingent steht parat

Hungersnöte, Kriege, Naturkatastrophen: Die Gründe, warum Menschen in Not geraten sind vielfältig. Wichtig ist dann, dass die Hilfe schnell kommt. Die Malteser haben dafür ein eigenes Hilfskontingent aufgestellt: Das Emergency Corps of the Order of Malta (siehe Kasten). Bei den Einsätzen in Krisengebieten sind regelmäßig auch Helfer aus Würzburg dabei, so zum Beispiel in Mosambik.

Im Februar 2000 sind über dem Süden von Afrika schwere Regenfälle niedergegangen. In der Folge sind in Mosambik die Flüsse Save und Limpopo über die Ufer getreten und haben auf beiden Seiten ausgedehnte Gebiete überflutet. Rund 500.000 Menschen mussten ihre Felder und Wohnstätten zum Teil Hals über Kopf zu verlassen. Hunderte mussten mit Hubschraubern von Hausdächern oder Bäumen gerettet werden. Diese so genannten IDPs (Internal displaced persons) fanden in Notlagern, welche in aller Eile und notdürftig errichtet worden waren, eine vorübergehende Bleibe. 

Nach Erkundungsflügen und Gespräche vor Ort entschlossen sich die Malteser, in einem Notlager nahe der Distrikthauptstadt Chibuto mit der Arbeit zu beginnen. Zu dem Team, das am 14. März 2000 in die Hochwasserregion flog, gehörte der Würzburger 


Wenn Menschen gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen, helfen Malteser, wie hier mit einem Zeltlager in Albanien.

Malteser Stefan Simon. Der Rettungsassistent konnte dort medizinische Hilfe leisten. Nach vier Wochen kehrte Simon nach Deutschland zurück. Simon hatte zusammen mit einem Arzt und einer Krankenschwester rund 4000 Menschen mit medizinischer Hilfe versorgt. Dabei ging es in erster Linie um die akute medizinische Versorgung der notleidenden Menschen, die Verteilung von Tabletten zur Entkeimung von Trinkwasser und die Prävention von Cholera und Malaria. Dieses Aufgabenspektrum der Malteser erweiterte sich im Laufe des Einsatzes. So musste die Bohrung von Brunnen organisiert werden, nachdem das österreichische Heer, in dessen Lager die Malteser untergebracht waren, am 15. April die Region verlassen hatte, und dennoch eine Versorgung mit sauberem Trinkwasser gewährleistet werden musste. „Nur so konnte eine weitere Ausbreitung von Durchfallerkrankungen verhindert werden“, erklärte Stefan Simon. Außerdem haben die Malteser für die vielen Kinder in den Notunterkünften die Errichtung einer Schule organisiert. „Besonders die Kinder sind ja am meisten betroffen von der Flutkatastrophe, denn sie haben kaum körperliche Ressourcen, auf die sie zurückgreifen könnten“, erzählt Simon: „Rund 90 Prozent von ihnen waren unterernährt und litten unter allgemeinem Vitaminmangel.“

Auch der Krieg im Kosovo im Jahr 1999 forderte den Einsatz der Würzburger Malteser: Von den rund 70 Helfern, die im Laufe des Krieges beim Aufbau eines Flüchtlingslagers in Skhodra im Nordosten Albaniens beteiligt waren, kamen allein 17 aus Würzburg. In enger Zusammenarbeit mit dem Auslandsdienst planten sie die Stromversorgung des Lagers und begleiteten sechs Transporte in das Krisengebiet, bei denen unter anderem die notwendigen Stromaggregate und ein von der Stadt Würzburg gespendeter Gülle-Laster nach Albanien gebracht wurden. Ihre Aufgabe war es, ein winterfestes Lager für rund 3000 Flüchtlinge aus dem Kosovo einzurichten. Außerdem halfen sie im Lager bei allen anfallenden Arbeiten sowie bei der menschlichen Betreuung der Flüchtlinge. Dabei haben die teilweise sehr jungen Malteser wichtige Erfahrungen bei der unmittelbaren Konfrontation mit Krieg und Leid gemacht. „Sie haben viel erlebt und gesehen, aber sicher auch viel gelernt bei ihrem Einsatz“, sagte Joachim Gold, der selber im Flüchtlingslager mitgearbeitet hat.


Im Abfallcontainer warteten Straßenkinder auf Essenreste

Seit 1992 betreuen die Malteser eine Sozialküche in St. Petersburg

Vorsichtig auf ihren Stock gestützt betritt die alte Frau den Speisesaal. Vor dem Christusbild an der Wand bekreuzigt sie sich und nimmt dann an einem der schmucklosen Tische Platz. Eine Helferin bringt ihr einen Teller Essen und einen Becher Tee. Heute gibt es Gulasch mit Sauerkraut und Klößen.

Nadescha ist 74 Jahre alt, regelmäßig kommt sie in die Sozialküche der Malteser in St. Petersburg. Mit ihrer staatlichen Rente von 340 Rubeln kann sie sich kaum das Nötigste zum Überleben kaufen, denn St. Petersburg ist teuer. Für ein Kilo Fleisch liegt der Preis bei 150 Rubel, ein Kilo Tomaten kostet 140, ein Wintermantel 3000 Rubel.


So wie Margot Kraus (rechts) sind in den Anfangsjahren der Sozialküche in St. Petersburg regelmäßig Malteser Helfer für ein oder zwei Wochen zur Aufbauarbeit nach Russland gereist.

Malteser aus der Diözese Würzburg und der Erzdiözese Bamberg haben 1992 die Sozialküche in St. Petersburg gegründet und betreuen sie seitdem in enger Kooperation mit Caritas Russland und den St. Petersburger Maltesern. Die Kochsaison geht jeweils von September bis Juni; dabei bereiten die russischen Mitarbeiterinnen täglich rund 600 warme Essen zu, die an kinderreiche Familien, alte, bedürftige und obdachlose Menschen ausgegeben werden - allerdings nur gegen Berechtigungsschein. Für das Wochenende gibt die Sozialküche „Lunchpakete“ aus. Die Berechtigungsscheine teilen zu 80 Prozent die Sozialbehörde des Stadtteils und zu 20 Prozent die Kirchen - orthodox, katholisch, evangelisch - aus. Dabei ist die Nachfrage nach Berechtigungsscheinen bedeutend größer als das Angebot. 

Das Ausmaß an Elend macht betroffen
Die Küche befindet sich im Stadtteil Dzerzinskij, im Zentrum der Fünf-Millionen-Stadt St. Petersburg. Hier leben rund 40.000 bedürftige Menschen, überwiegend Kranke und Alte. „Das Ausmaß an Elend machte betroffen“, erinnert sich Peter Mirus. Der Würzburger Malteser war 1992 nach Russland gereist, um beim Aufbau der Küche mitzuhelfen. Seine Eindrücke aus dieser Zeit hat er nicht vergessen. „Es ist mir unheimlich schwer gefallen, nur denen Essen zu geben, die einen Berechtigungsschein hatten, und nicht den vielen bettelnden Kinder, die am Fenster standen und mich mit glasigen Augen anschauten“, sagt er. Umso größer sein Schreck, als er beim abendlichen Reinigen und Aufräumen der Küche die Abfälle vom Kochen in einen Container leeren will und darin zwei Straßenkinder entdeckt, die auf diese Art von „Abendmahlzeit“ schon sehnsüchtig gewartet haben.

In der Küche sind heute zehn russische Mitarbeiter beschäftigt: eine Direktorin der Küche und Ansprechpartnerin für die Verwaltung, acht Frauen für Koch- und Spüldienst, eine Buchhalterin zur Überwachung von Finanzen und Einkauf und gegebenenfalls ein Zivildienstleistender oder eine Helferin aus Deutschland. Die in der Küche verwendeten Lebensmittel werden ausschließlich in St. Petersburg und Umgebung eingekauft. Damit unterstützen die Malteser die lokale Wirtschaft, umgehen Zollprobleme und sparen Geld, das sonst für Einkauf, Lagerung und Transport aufgebracht werden müsste. 50 Cent betragen zur Zeit die durchschnittlichen Kosten für ein Essen; pro Jahr benötigt die Sozialküche 120.000 Euro.

In den Anfangszeiten sind jeweils vier ehrenamtliche Helferinnen und Helfer aus den Diözesen Bamberg, Berlin und Würzburg nach St. Petersburg gereist, um dort, unterstützt von russischen Hilfskräften, zu kochen. Die Helfer blieben jeweils zwei Wochen in der ehemaligen Zarenstadt, Unterkunft fanden sie in einer von der Stadtverwaltung eigens zur Verfügung gestellten Wohnung in der Nähe der Küche. Jede Woche wurde die Küchenbesatzung gewechselt, um eine kontinuierliche Arbeit vor Ort zu gewährleisten. Zwei Neue aus Deutschland kamen, während zwei „Alte“ nach Hause flogen, die Koffer voller neuer Eindrücke und Erfahrungen. Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer der katholischen Kirche werden von den Maltesern so angelernt, dass sie alle in der Küchen anfallenden Arbeiten, angefangen vom Kochen über das Reinigen bis hin zum Bestellen der Nahrungsmittel, eigenverantwortlich ausführen können.

Ein Almosen von den verhassten Deutschen
Heute läuft das Küchenprojekt auf vollen Touren. Bis dahin war es jedoch ein weiter Weg. Der pensionierte niederländische General Jean Cloquet hatte die Leitung dieses Auslandprojektes übernommen. Die Personalplanung lag bei der Diözese Bamberg, die Koordination für Lebensmittel und andere Ausrüstung hatten die Malteser in Würzburg übernommen. Nachdem die ersten Anlaufschwierigkeiten überwunden waren, wurde das Projekt von der Leitung der Malteser an die St. Petersburger übergeben. Ein Komitee,  bestehend aus je zwei Vertretern der Stadtverwaltung und der katholischen Kirche sowie dem Malteser Bevollmächtigten Hartmut Kania, einem Priester aus Görlitz, beaufsichtigte gemeinsam das weitere Gelingen der Küche.

Für die alten Menschen ist die Hilfe aus Deutschland oft unfassbar. Viele von ihnen haben den Zweiten Weltkrieg mitgemacht und erleben jetzt den ehemaligen Feind als Helfer in der Not. Ein Konflikt, den auch Peter Mirus so verspürt: „Ist es nicht eine erneute Demütigung, von den Söhnen der verhassten Deutschen nun ein Almosen annehmen zu müssen“, fragt er sich. Anscheinend unnötigerweise. Das russische Wort „spassiba“ - Danke - ist zumindest das meist Gesprochene in dem Speisesaal.

Weitere Projekte der Malteser in St. Petersburg sind:

Wärmestuben und Straßenkinderprojekte

In zwei Wärmestuben bekommen täglich jeweils rund 250 Obdachlose eine kleine Mahlzeiten, bestehend aus Bouillon, Brot, und Wurst. Darüber hinaus können sie sich dort mit Kleidung versorgen; sie erhalten Hilfe beim Umgang mit Behörden und werden teilweise auch medizinisch versorgt werden. Eine der Stuben ist auf Anordnung der Stadt ausschließlich Tbc-Kranken vorbehalten.

Das Straßenkinderprojekt
Hier werden seit März 1999 täglich etwa 20 Straßenkinder im Alter von fünf bis 16 Jahren versorgt, die von der Polizei oder anderen Obdachlosen gebracht werden. Die Kinder können sich in freundlichen, speziell für sie eingerichteten Räumen aufhalten und werden mit vitaminreicher und kindgerechter Nahrung versorgt. Die Betreuung umfasst neben der Hilfe bei den Hausaufgaben auch die Organisation von Ausflügen, Zoobesuchen und ein Spiel-Angebot

Wenn Sie die Arbeit der Malteser in St. Petersburg unterstützten wollen: Spenden für die Sozialküche sind möglich auf das Spendenkonto:

Konto-Nr.: 103 007 057
Bankleitzahl: 750 903 00
Liga Bank eG Würzburg
Kennwort: St. Petersburg Sozialküche


Gemeinsamkeit macht Kinder stark

Die Malteser Jugend der Diözese Würzburg ist in vielen Bereichen aktiv


Ab geht die Post - und vielleicht fliegen die Karten der Malteser Jugend ja sogar bis zu einer Partnerorganisation in Rumänien oder Ungarn.

Kinder und Jugendliche sind häufig die Ersten, die durch die Maschen des „sozialen Netzes“ fallen, wenn es mit einer Gesellschaft den Bach hinunter geht. Wenn die Wirtschaft zusammenbricht, wenn die Eltern arbeitslos werden, wenn staatliche Zuschüsse nicht einmal ausreichen, um die Miete zu zahlen. Dann ist auch kein Geld mehr da für Kleidung, für Bücher, vom Kino ganz zu Schweigen. Man musste im vergangenen Jahrzehnt nicht weit reisen, um solch Elend vor Augen geführt zu bekommen: Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs zwischen Ost und West überzog eine ungeahnte Welle der Armut Länder wie Ungarn, Rumänien, Polen. Für die Malteser Jugend war dies Auslöser für eine Reihe von Hilfsaktionen, die seitdem fester Programmpunkt der jährlichen Aktivitäten sind.

Seit 1980 gibt es die Malteser Jugend in der Diözese Würzburg, heute sind es 13 Jugendgliederungen mit rund 800 Mitgliedern. Mitmachen kann jeder, der bereit ist sich für Andere einzusetzen. Die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen treffen sich regelmäßig in Gruppenstunden, auf Freizeiten und Fahrten, bei Jugendbegegnungen, in Gottesdiensten und in diversen Aktionen. Ihnen zur Seite stehen immer ausgebildete Gruppenleiter. Das soziale Engagement spielt eine wichtige Rolle.

„Die Malteser Jugend möchte ihren Mitgliedern ein Gespür dafür vermitteln, wie sich auch weniger spektakuläres, alltägliches Leid und menschliche Not erkennen und lindern lassen“, erklärt Gerhard Petter, Jugendreferent der Malteser in der Diözese Würzburg. Gemeinsam mit ihren Gruppenleitern suchen die Kinder und Jugendlichen nach altersgemäßen Wegen, ihren Beitrag zur Verbesserung menschlicher Lebensbedingungen zu leisten.

Ein Teil ihres Engagement gilt dabei auch Partnerorganisationen im Ausland. So führte die Malteser Jugend in den Jahren 1987 bis 1990 das „Partnerprojekt Tabgha“ zugunsten einer Behinderteneinrichtung der Benediktiner am See Genezareth durch. Heute unterhält die Malteser Jugend Kontakte zu Partnerorganisationen in Ungarn, Rumänien und Jugoslawien und versucht dort, die größte Not zu lindern. „Zum Beispiel betreut die Malteser Jugend unserer Partnergliederung aus Sfintu Gheorghe im rumänischen Brasov Kinder, die auf der Straße leben und in Kanalschächten schlafen“, sagt Petter.

Einen ganzen Katalog von Maßnahmen beinhaltet die Aktion „Regenbogen“, mit dem sich die Jugend aus der Diözese Würzburg für Gleichaltrige im Ausland stark macht. „1993 und 1994 stand die Sammlung von Kinderbekleidung, Spielwaren und Ausrüstung für unsere Partnergliederungen im Mittelpunkt. Seit 1996 führen wir jedes Jahr ein Internationales Zeltlager durch. Und seit 2001 nutzen wir auch das Medium Internet für unsere Projekte“, zählt Petter auf. Diskussionsforen sind bereits am Laufen oder befinden sich im Aufbau; mit Spenden wird die technische Ausrüstung der Partnerorganisationen im Osten finanziert, damit auch diese am Internationalen Kommunikations-Netzwerk der Jugend angeschlossen sind. Die Vernetzung passt gut zum Malteser Jugend Motto. Das lautet: „Gemeinsam sind wir bärenstark.“


Wussten Sie schon...

...dass der Malteserorden diplomatische Beziehungen zu rund 100 Staaten unterhält? Er ist souveränes Völkerrechts-Subjekt mit Sitz in Rom und entsendet unter anderem Vertreter in die UNO.

...dass die Mitglieder des Malteserordens neben Gehorsam, Keuschheit und Armut noch ein weiteres Gelöbnis ablegen? Als einziger Ritterorden geloben die Malteser „Diener und Sklave zu sein unseren Herren Kranken.“

...dass die Hospitalordnung der Malteser vorschrieb, dass die Kranken ihr Essen „in der gleichen Form wie bei den fürstlichen Hoftafeln“ erhalten sollten? Tatsächlich erhielten sie silberne Becher und Löffel und das Essen aus silbernen Schüsseln.

...dass der Malteser Hilfsdienst in Deutschland im nächsten Jahr seinen 50. Geburtstag feiern kann? 1953 wurde er durch den Malteserorden und den Caritasverband gegründet.

...dass die Malteser Fernmelder aus Würzburg 2001 Besucher der Love Parade in Berlin waren? Statt mitzutanzen koordinieren sie den Einsatz von rund 800 Sanitätern, 40 Ärzten, 26 Rettungswagen, 20 Krankenwagen und drei Rettungsbooten.

...dass die Malteser alle drei Jahre mit ungefähr 300 Rollstuhlfahrern eine einwöchige Wallfahrt nach Rom unternehmen und auch die Würzburg sich daran mit einem Behindertenbus beteiligen? Die nächste Fahrt ist im Oktober 2003.

...dass es in Würzburg seit mehr als 15 Jahren von den Maltesern die Aktion „12 mal 8“ gibt, bei der freiwillige Helfer innerhalb eines Jahres insgesamt 48 Stunden lang Menschen im Altersheim besuchen? Würzburg ist damit bundesweit einzigartig.

...dass es Frauen bei den Maltesern früher verboten war, bei Dienstfahrten im vorderen Teil des Wagens Platz zu nehmen? In einer Anweisung hieß es 1971, dass Helferinnen „beim Abtransport Kranker im hinteren Teil des Wagens und nicht auf dem Beifahrersitz“ Platz zu nehmen haben.

...dass Malteser Hilfsdienst und Johanniter Unfallhilfe gemeinsame Wurzeln besitzen? Beide haben ihren Ursprung in dem Orden, der offiziell heißt: "Souveräner und Militärischer Hospital-Orden des hl. Johannes von Jerusalem genannt von Rhodos genannt von Malta.


Ein Bild aus alten Tagen: Fernmelder aus der Diözese beim Einsatz.

Helfen wollen alleine reicht nicht aus

Malteser sind für Katastrophen gut gerüstet

Ein Intercity verunglückt auf der Fahrt von Würzburg nach Fulda: Verletzte müssen aus den Trümmern befreit und medizinisch versorgt werden; Reisende, die das Unglück äußerlich unversehrt überstanden haben, brauchen seelischen Beistand; andere haben kein Gepäck und kein Geld mehr und brauchen Hilfe für die Weiterfahrt; die Helfer, die schon seit Stunden im Einsatz sind, benötigen Essen und Trinken; die Vielzahl der Einsatzkräfte muss koordiniert werden: eine provisorische Leitstelle übernimmt diese Aufgabe. 

Kein Mensch wünscht sich, dass ein Schreckens-Szenario wie dieses Wirklichkeit wird. Dennoch müssen die Malteser darauf vorbereitet sein, damit im Ernstfall die Hilfe schnell und effektiv kommt. In einer Reihe von Einheiten, so genannten Zügen, sind in der gesamten Diözese Helfer organisiert, die bei Bedarf innerhalb kürzester Zeit aktiviert werden können.

Als Teil im Gesamtsystem der Notfallvorsorge kommt der Sanitätsdienst zum Einsatz, insbesondere in Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst. Sanitätszüge und Schwesternhelferinnenzüge gibt es in der Diözese Würzburg in vielen Stadt- und Ortsverbänden der Malteser. Natürlich kommen sie nicht nur bei Katastrophen zum Einsatz. Auch die sanitätsdienstliche Versorgung der Besucher und Teilnehmer von Konzerten, Sportfesten und anderen Großveranstaltungen gehört zu ihren regelmäßigen Aufgaben. Der Fernmeldezug stellt die technische und personelle Ausrüstung, damit bei Großveranstaltungen die Kommunikation der Helfer untereinander gewährleistet ist.

Wenn es darum geht, schnell eine große Menge von Menschen mit Essen und Trinken zu versorgen, steht die „Bundeskomponente Versorgung“ zur Verfügung, die mit ihrer Feldküche in kurzer Zeit eine große Zahl von Mahlzeiten zubereiten kann. Ein Angebot, das auch in ruhigen Zeiten gerne angenommen wird: So hat die Feldküche der Malteser in Mellrichstadt die Teilnehmer eines Katholikentages in Berlin mit Kaffee, Brötchen und warmem Essen bei Laune gehalten. Feldküchen aus Mellrichstadt, Aschaffenburg und Würzburg werden die Besucher der Malteser Jubiläumsfeier am 29. September hinter dem Würzburger Dom mit Braten, Gulasch und einer Mexiko-Pfanne verwöhnen. 

Für alle Malteser, die sich in diesen Bereichen engagieren, gilt: Helfen wollen allein reicht nicht - Helfen können ist die Grundvoraussetzung für die Mitarbeit in den Einheiten des Katastrophenschutzes der Malteser. Ein umfangreiches Ausbildungsangebot schafft die Voraussetzungen dafür. So werden die Gruppen regelmäßig in Theorie und Praxis geschult, damit sie auch unter schwierigen Einsatzbedingungen in der Lage sind, kompetent zu helfen. 

Im Katastrophenfall kümmern sich Schwesternhelferinnen kompetent um die Versorgung von Verletzten. Die Tracht hat sich inzwischen geändert.


Neuer Diözesanleiter

Hans-Georg von Mallinckrodt ist der neue Diözesanleiter der Malteser in der Diözese Würzburg. Er ist der Nachfolger von Richard-Franz Freiherr von Bechtolsheim, der am 29. September verabschiedet wird. Von Mallinckrodt wurde am 17. Dezember 1950 geboren. Nach dem Abitur 1971 studierte er Betriebswirtschaft und Jura, 1978 wurde er Mitglied der Geschäftsführung der familieneigenen Fachklinik St. Georg von Mallinckrodt in Bad Soden-Saalmünster. Seit 1990 ist er alleiniger Geschäftsführer und Eigentümer der Klinik.

Von Mallinckrodt ist verheiratet und Vater zweier Söhne. Er ist bei den Maltesern seit 1996 aktiv als Schirmherr des Ortsverbandes Bad Soden. Seit 1999 ist er Mitglied des Malteser Ordens.

 

Ein Ritterorden mit diplomatischer Mission

Malteser Wurzeln reichen nach Jerusalem

Bis ins Jahr 1099, als die ersten Kreuzritter Jerusalem eingenommen hatten, reichen die Wurzeln der Malteser.

„Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom Hl. Johannes zu Jerusalem, genannt von Rhodos, genannt von Malta“ lautet der volle Name des Malteserordens heute; er gibt Auskunft über die wechselhafte Geschichte des einzigen noch in ungebrochener Kontinuität bestehenden geistlichen Ritterordens.

Bereits 1048 hatten reiche Kaufleute aus Italien in Jerusalem ein Hospiz eröffnet, in dem christliche Pilger versorgt wurden. Die Strapazen der Reise, das ungewohnte Klima und die fremdartige Ernährung führten bei vielen Reisenden zu Krankheiten. Als der erste Kreuzzug Jerusalem erreichte, stand an der Spitze des Hospitals der Laienbruder Gerhard. Unter seiner Leitung bildete sich eine Spitalsbruderschaft, die als „Keimzelle“ des Malteserordens gilt. Nachdem die Kreuzfahrer in Jerusalem die Herrschaft übernommen hatten, mussten die Ordensmitglieder immer mehr Pilger behandeln. In einem 1170 verfassten Bericht über seine Reise in das Heilige Land schildert Johannes von Würzburg das Hospital: „In der Zeit, in der ich selbst dort war, betrug die Zahl der Kranken bis zu 2000. Sie waren zum Teil so schwer krank, dass manchmal innerhalb 24 Stunden mehr als 50 Tote hinaus getragen werden mussten.“

1291, mit dem Ende des christlichen Palästina, floh der 1113 vom Papst anerkannte „Orden des Hl. Johannes“ nach Zypern, von wo aus er 1310 Rhodos in Besitz nahm. Ein Teil seiner Aufgaben war es nun, mit einer Flotte das östliche Mittelmeer zu überwachen und so den Islam am Vordringen zu hindern. Auf Rhodos selbst wurde der Orden Landesherr und baute neben einem großen Hospital auch Festungsanlagen. Weihnachten 1522 mussten die mittlerweile auch „Rhodisier“ genannten Ritter nach einer von den Osmanen gewonnenen Belagerung die Insel verlassen. 1530 wurde ihnen Malta als Lehen übertragen. Hier gingen sie bis 1798 ihren Aufgaben nach, bis Napoleon sie von der Insel vertrieb.

Seit 1834 ist der Malteserorden in Rom ansässig, in über 100 Ländern kommt er heute seinen humanitären Aufgaben nach. Immer noch leiten den Orden die „Professritter“ genannten Laienbrüder, die die drei Gelübde von Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam abgelegt haben. Zugleich unterhält der Orden zu rund 100 Staaten und Internationalen Organisationen, darunter den Vereinten Nationen, diplomatische Beziehungen, was seiner caritativen Mission zugute kommt. Die deutsche Assoziation entstand 1993 durch den Zusammenschluss zweier deutscher Gliederungen des Ordens, der 1859 gegründeten Genossenschaft der Rheinisch-Westfälischen Malteser Devotionsritter und des 1866 gegründeten Vereins Schlesischer Malteserritter. 1953 gründeten sie zusammen mit dem Deutschen Caritasverband den Malteser Hilfsdienst.


Die Malteser als Ihr Partner 

Garant für eine gute Zusammenarbeit

Vielfältig wie die zunehmenden sozialen und caritativen Aufgaben in unserer heutigen Gesellschaft sind die Dienste, die von den Maltesern für eine wachsende Zahl von Patienten und Klienten geleistet werden. In dieser Beilage erfahren Sie viel über die moderne Servicepalette der Malteser - und was die einzelnen Dienstleistungen miteinander verbindet.

Denn den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen heißt mehr als ihn mit dem gemeinhin Lebenswichtigen zu versorgen. Wer hilft einer alleinstehenden alten Frau aus ihrer Einsamkeit? Wer schenkt einem liebevoll pflegenden, erschöpften Angehörigen einen freien Tag für sich selbst? Und wer teilt die Sorgen des Todkranken, der sich auf sein Sterben vorbereitet? Viele der neuen sozialen Nöte beginnen da, wo unser soziales Sicherungssystem - bei aller Leistungsfähigkeit - seine Grenzen hat. 

Hier setzt die eigentliche Aufgabe einer modernen Wohlfahrtsorganisation an, die sich einer langen Tradition uneigennützigen Helfens verpflichtet weiß. Die Basis ist professionelle Qualität, die in gleicher Weise für hauptamtliche Leistungen wie für ehrenamtliche Dienste gilt.

Hierzu gehören auch strenge Wirtschaftlichkeit sowie konsequente Markt~ und Kundenorientierung. Doch dabei muss die Sorge um den Menschen von höchster Bedeutung sein, die weder eingekauft noch irgendwie anders vergütet werden kann. Ihr Fundament ist bei uns Maltesern die christliche Sicht des notleidenden Menschen. Er ist der Nächste, dem zu helfen uns allen aufgetragen ist. Wo auch immer medizinische Leistungen, caritative Hilfestellungen oder soziale Dienste gebraucht werden, wir sollten uns gemeinsam engagieren, um den jeweiligen Hilfebedürftigen die bestmögliche Versorgung und Betreuung bieten zu können. Das ist unsere Stärke.

Daher freuen wir uns auf die Zusammenarbeit mit Ihnen.


Wer sich ehrenamtlich engagieren will, findet bei den Maltesern das passende Angebot. Auch mit Spenden ist Hilfeleistung möglich.

Einladung
zum Ehrenamt

Vielfältig sind die Aufgaben, die die Malteser ehrenamtlich wahrnehmen. In der Diözese Würzburg engagieren sich zahlreiche Helferinnen und Helfer in vielen Stadt- und Ortsverbänden mit verschiedenen Interessensschwerpunkten und unterschiedlichsten Aufgaben. 

Sicher ist auch für Sie eine geeignete Möglichkeit dabei, sich für Ihre Mitmenschen einzusetzen: egal ob als Ausbilder, Sanitäter, Hospizhelfer oder in der Jugendarbeit. Mit Ihnen zusammen überlegen wir, wo und in welchem Maße Sie Ihre Fähigkeiten einbringen können. Eine entsprechende Vorbereitung, Ausbildung und Begleitung ist dabei für uns selbstverständlich!

Betreuung in den eigenen vier Wänden: 
Sie sind noch rüstig, aber das Tragen der Einkaufstaschen fällt Ihnen schwer? Sie wohnen allein, möchten aber nicht alleingelassen sein, wenn Ihnen in der Wohnung etwas zustößt? Sie haben feste Termine in der Woche, aber die Fahrt dorthin stellt für Sie ein Problem dar? 

Die Malteser Bezirksgeschäftsstellen in der Diözese helfen Ihnen: Mit unserem Mahlzeitendienst, Hausnotruf und Fahrdienst können Sie Ihr Leben weiterhin so unabhängig und flexibel gestalten wie bisher. 

Wir freuen uns auf Sie!

Ja, ich möchte Menschlichkeit dauerhaft unterstützen.


Das Alphabet als Fingerzeig Gottes

Am 29. September verabschieden die Malteser in der Diözese Würzburg Richard-Franz Freiherr von Bechtolsheim. Damit endet eine Ära: Bechtolsheim ist der erste und bisher einzige Diözesanleiter der Malteser in Unterfranken. 40 Jahre lang stand er an der Spitze der Hilfsorganisation.

Von Gunnar Bartsch

Als ob der Mann nicht auch so genug zu tun hätte: Als Familienvater, der Frau und Kinder zu versorgen hat. Als Schlossbesitzer, der ein mehrere Hundert Jahre altes Gebäude in Schuss halten muss. Als Landwirt, der mit den Erträgen aus Zuckerrüben-, Kartoffel- und Getreideanbau Haus und Hof, Kind und Kegel finanzieren muss. Und trotzdem hat er die Zeit gefunden, 40 Jahre lang als Diözesanleiter die Geschicke des Malteser Hilfsdienst in ganz Unterfranken zu dirigieren und zu begleiten.

Wie ist er dazu gekommen? „Wie die Jungfrau zum Kind“, erinnert sich Richard-Franz Freiherr von Bechtolsheim heute im Rückblick auf die Gründerzeit. Zwar gab es den Malteser Hilfsdienst in Deutschland bereits seit 1953, sein Zentrum befand sich jedoch in Köln. Bis nach Unterfranken war er am Anfang der 60er-Jahre noch nicht vorgedrungen. Dafür kam ein Unterfranke nach Köln: Manfred Rost, aktiv in der katholischen Jugendarbeit, machte in der Stadt am Rhein die Bekanntschaft mit den Maltesern und dachte sich: „Wäre doch gut, wenn es sie auch in Würzburg gäbe“. Zur Gründung eines eigenen Verbandes fehlte ihm allerdings das Personal – vor allem bei der Besetzung der Position des Diözesanleiters: Adelig musste der sein, so die Vorgaben der Malteser, deren Wurzeln in einem mehr als 900 Jahre alten Ritterorden liegen. Konsequenterweise besorgte sich Rost eine Liste des katholischen Adels in Unterfranken und klapperte diesen dem Alphabet nach ab. Weit musste er nicht gehen, gleich beim Buchstaben B wurde er fündig.

„Er kam eines Tages vorbei und erzählte mir von seinen Plänen“, schildert Bechtolsheim die erste Begegnung. „Das war für mich so außergewöhnlich, dass ich es als Fingerzeig Gottes aufgefasst habe.“ Nach kurzer Beratung mit der Familie gab Bechtolsheim seine Zustimmung: Zum 1. Juli 1962 wurde er zum Diözesanleiter des Malteser Hilfsdienst in der Diözese Würzburg ernannt; erster Geschäftsführer wurde am 1. September Manfred Rost.

„Glauben und Helfen” – das Malteser Motto machte sich Bechtolsheim zu eigen. „Ich versuche, andere mit dem Glauben vertraut zu machen, durch mein Beispiel, nicht durch Predigen.“ Und so ist sein Engagement eben Teil dieses Beispiel-Gebens. Durch Beispiel Aufmerksamkeit erregen, im Sinne der Religion arbeiten, sich beispielhaft verhalten, führt Bechtolsheim als Motive für seinen Einsatz an. Solidarität mit allen Hilfsbedürftigen, Kameradschaft aller Helferinnen und Helfer und Rücksichtnahme sind die Werte, die er vorleben möchte, auch wenn er sagt: „Es ist uns nicht angeboren, uns nur christlich zu verhalten.“ Wichtig sei es jedoch, sich darum zu bemühen.

Als Diözesanleiter hat er sich mehr als bemüht. In der Anfangszeit wuchsen die Malteser vor allem aus Erste-Hilfe-Kursen heraus. „Ich bin draußen rumgefahren, habe uns vorgestellt, habe zum Abschluss die Kursteilnehmer zum Eintreten animiert“, erinnert sich Bechtolsheim. Als „Pionierzeit“ habe er diese Anfänge erlebt – „ein positives Erlebnis, wenn etwas neu beginnt, und man sieht, es geht vorwärts.“

Nach den Kursen in Erster Hilfe, für Sanitäter und Schwesternhelferinnen folgte der Aufbau der mehr technischen Dienste wie Krankentransport, Rettungsdienst, Katastrophenschutz und anderem: „Eine wilde Zeit, aber attraktiv für uns als tatendurstige junge Mannschaft.“ Das Rettungswesen war längst nicht so gut organisiert wie heute, überdies legten sich die Malteser auf diesem Feld mit dem übermächtigen Roten Kreuz an. Mit „Chuzpe und Gottesvertrauen“ sei es gelungen, zwar nicht gleich stark wie der damalige „Monopolist“ Rotes Kreuz zu werden, aber immerhin gleichberechtigt.

Das stetige Wachstum der Malteser, für das sich Bechtolsheim engagierte, sieht er heute als Medaille mit zwei Seiten: „Am Anfang war alles sehr viel persönlicher. Jeder kannte jeden, und der notwendig werdende Einfluss einer planenden und steuernden Geschäftsführung für unsere Malteser Diözese war bei weitem nicht so ausgeprägt wie heute“, sagt er. Und neben diesem privaten Aspekt beschäftigt ihn auch der christliche: „Ich will, dass durch unsere Existenz anderen geholfen, niemandem geschadet wird.“ Aber wie ist das möglich, wenn man gegen „Konkurrenz“ bestehen muss; wenn sich die Möglichkeit ergibt, dieser „eins auszuwischen“? Im Zwiespalt zwischen dem Engagement für alle und der Suche nach dem Vorteil für die Malteser setzt er eine Richtschnur: „Man muss bei allem, was man tut, fair bleiben.“

Richard-Franz Freiherr von Bechtolsheim war kein autoritärer Diözesanleiter: „Ich habe den Posten nicht wirklich ,stark’ ausgefüllt.“ Er sei keine Führerpersönlichkeit und ziehe es vor, den Menschen zu vertrauen anstatt ihnen immer auf die Finger zu schauen. Auch wenn er dafür manchmal „eins über die Nase“ bekommen habe. Dass in der Diözese kein Streit ohne Versöhnung geendet habe, sei ihm wichtig gewesen – deshalb hatte er jederzeit ein offenes Ohr für die Anliegen der Malteser Helfer. „Es war mir immer am Herzen gelegen, dass kein Konflikt weiter schwelt. Ich habe immer versucht, das im Guten zu lösen“, sagt Bechtolsheim heute und bezeichnet diese Eigenschaft als „wichtigen Teil meines Diözesanleiterwesens“.

Was kommt jetzt, nach 40 Jahren bei den Maltesern? „Ich freue mich, dass diese für mich randvoll mit Aktivität erfüllte Spanne meines Lebens ein Ende nimmt, weil ich mit meiner Frau mehr Dinge gemeinsam unternehmen kann“, sagt er. Und darüber hinaus gibt es ja immer noch die Großfamilie – unter anderem wohnen inzwischen vier Enkelkinder im Schloss – und das Haus. Dort warten eine alte Bibliothek und ein Familienarchiv auf Ordnung und Ergänzung. Die Bücher, die aus der Zeit von 1500 bis 1800 stammen, mit modernen Werken zu ergänzen, sei sein Wunsch. Dafür wird Richard-Franz Freiherr von Bechtolsheim ab dem 29. September endlich mehr Zeit haben.

Zur Familie

Die Geschichte der Familie von Mauchenheim genannt Bechtolsheim in der Diözese Würzburg reicht bis ins Jahr 1727 zurück. Zu diesem Zeitpunkt übernahm Hofmarschall Reichard Philipp von Bechtolsheim mit seiner Frau Maria Sophia, geborene Gräfin Fuchs von Bimbach, das Schloss in Mainsondheim. Vorbesitzer war der Onkel von Maria Sophia, Johann Philipp Fuchs von Dornheim, Propst des Domkapitels in Würzburg, der, weil selbst kinderlos, seinen angeheirateten Neffen Reichard Philipp zum Alleinerben einsetzte. Zusammen mit dem Schloss vererbte er seinen repräsentativen Hof in Würzburg, gegenüber der Residenz. Dieser existiert heute noch und beherbergt jetzt eine Schule, den „Bechtolsheimer Hof“. Das Gebäude blieb nur zwei weitere Generationen im Besitz der Familie Bechtolsheim: Hartmann Philipp verkaufte es 1818 nach dem Tod seiner Frau. Das Schloss in Mainsondheim ist noch heute im Familienbesitz - inzwischen wohnt dort die zehnte Generation.

Zur Person

Richard-Franz Freiherr von Bechtolsheim wurde am 3. Juli 1931 in Berlin geboren. Er war das erste von vier Kindern von Anton Freiherr von Bechtolsheim und Erika, geborene Freiin Notthafft von Weißenstein. Wegen des väterlichen Berufs, dieser war Offizier, zog die Familie häufig um; seine Schulzeit verbrachte Richard-Franz von Bechtolsheim deshalb in Berlin, London, Dettelbach, Rottach-Egern, Mainsondheim und Kitzingen. Nach dem Abitur studierte er Volkswirtschaft und Landwirtschaft, 1962 übernahm er den landwirtschaftlichen Betrieb auf dem Gutshof Mainsondheim.

Richard-Franz von Bechtolsheim war der erste in der Familie, der vom Ertrag des Mainsondheimer Hofes lebte. Sämtliche Vorfahren verdienten ihren Lebensunterhalt beim Staat, sei es als Bezirksamtmann, als Offizier oder als Oberhofmarschall am Hofe eines Fürsten. Die Wurzeln der Familie liegen in Rhein-Hessen; von dort verläuft ihre Spur über Mainz und Fulda nach Würzburg.


Die Intensivstation im Flughafen

Malteser bauen im Hochwassergebiet Krankenhaus auf

In der Nacht vom 14. auf den 15. August wurde in Bayern Katastrophenschutzalarm ausgelöst. Das Hochwasser in Sachsen hatte zu diesem Zeitpunkt ein solch bedrohliches Ausmaß angenommen, dass Hilfskräfte aus ganz Deutschland zur Unterstützung angefordert worden waren. Auch Malteser aus der Diözese Würzburg machten sich noch in der Nacht auf die Fahrt nach Dresden. Dort bauten sie ein Notkrankenhaus im Terminal 2 des Dresdner Flughafens auf und übernahmen dafür die Einsatzleitung. Ihr Einsatz endete am Montag, 26. August um 12 Uhr Am Montag Abend trafen die letzten 13 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer aus Würzburg von ihrem Einsatz in Dresden zurück - erschöpft, aber sehr zufrieden und glücklich, den Menschen geholfen zu haben.

In einem Pressegespräch ließen Stefan Simon, Einsatzleiter des Notkrankenhauses, Joachim Gold, zuständig für Kommunikation und Personal, sowie Dennis Röder und Beate Gerhard, in Dresden eingeteilt zur Betreuung von Patienten im Notkrankenhaus und bei Evakuierung von Patienten beteiligt, die vergangenen anderthalb Wochen Revue passieren. 

„Das ist was Größeres“, dachte sich Joachim Gold, als in der Nacht zu Maria Himmelfahrt der Piepser losging, denn die Bilder aus den Nachrichten von der Hochwasserkatastrophe in Dresden hatten ihn einen Einsatz ahnen lassen.

 Deshalb hatte er auch mehr dabei als nur die Einsatzkleidung, als er gegen zwei Uhr in der Früh in der Malteser Geschäftsstelle eintraf - im Gegensatz zu den meisten anderen der 69 Helferinnen und Helfer aus der gesamten Diözese Würzburg, die sich in der Nacht mit 22 Fahrzeugen auf den Weg nach Dresden machten, um dort zunächst Krankenhäuser und Altenheime zu evakuieren. In Dresden angekommen wurden die Aufgaben verteilt. Ein Teil der 28 Würzburger Helfer wurde gleich mit dem Aufbau des Notkrankenhauses am Terminal 2 des Dresdener Flughafens betraut.

Eine Schutthalle wird zum Krankenhaus
„Zusammen mit den Helfern vom Bayerischen Roten Kreuz haben wir aus einer stillgelegten, mit Schutt und Abfall verdreckten Halle innerhalb von vier Stunden ein funktionsfähiges Krankenhaus gemacht,“ berichtet Stefan Simon, stellvertretender Bereitschaftsführer bei den Würzburger Maltesern. Den Würzburger Helfern wurde die Einsatzleitung des Notkrankenhauses übertragen zur Unterstützung und Entlastung der Dresdener Kollegen. 

„Unsere Führungsunterstützungsgruppe konnte dort wirklich zeigen, was sie kann,“ so Simon. Sie koordinierten den kompletten Krankenhausbetrieb, entwickelten ein Patientenerfassungsprogramm, stellten die permanente Erreichbarkeit des Krankenhauses her und waren außerdem für die Koordination des Helfernachschubs vor Ort zuständig. „Da kam uns unsere gute Ausbildung und die Erfahrung bei großen Einsätzen in Würzburg und auch bundesweit wie zum Beispiel bei Katholikentagen oder bei der Love Parade in Berlin zugute,“ erklärt Joachim Gold, Zugführer der Fernmeldeeinheit, die in Würzburg die Führungsunterstützungsgruppe stellt.


Die Malteser auf der Fahrt nach Dresden.


Die Bettenstation im Terminal 2 des Dresdener Flughafens.


Sogar eine Intensivstation war zum Einsatz bereit.

Maximal 190 Patienten gleichzeitig konnten in dem Krankenhaus versorgt werden. Das war allerdings nur an zwei Tagen der Fall, zum Beispiel als das Diakonissenkrankenhaus evakuiert wurde und alle Patienten zunächst in das Notkrankenhaus kamen. Von dort wurden sie per Flugzeug oder Rettungswagen weiter transportiert in weiter wegliegende Krankenhäuser. Auch die Registrierung der ankommenden und abfahrenden Patienten war Aufgabe der Malteser. „So konnten wir immer nachvollziehen, wo welcher Patient gerade ist und suchenden Angehörigen entsprechend Auskunft geben,“ erzählt Beate Gerhard, Zugführerin der Schwesternhelferinnen.

Hatte das Krankenhaus zunächst die Aufgabe eines Durchgangskrankenhauses für evakuierte Patienten und Altenheimbewohner, so veränderte sich dies im Laufe der vergangenen Woche hin zu einer reinen Vorhaltung für den Fall eines Seuchenausbruchs. Glücklicherweise trat dieser Fall nicht ein, so dass das Krankenhaus nach kurzer Zeit seine Türen schließen konnte.

Flucht vor dem Wasser mit Malteser Hilfe
Ein Großteil der Würzburger Helfer beteiligte sich mit Krankentransportwagen und Rettungstransportwagen bei der Evakuierung von Krankenhäusern und Altenheimen. So auch Dennis Röder. „Manchmal war bei Eintreffen der Helfer eine Evakuierung gar nicht nötig,“ erzählt der Rettungsassistent von einem erfreulichen Erlebnis: „Einmal habe ich als Einsatzleiter vor Ort in Absprache mit der Dresdener Einsatzleitung ein Altenheim nicht evakuieren lassen, weil das Wasser im Keller glücklicherweise nur zehn Zentimeter hoch stand.“ Die Bewohner seien verständlicherweise über diese Entscheidung sehr glücklich gewesen. Aber auch die evakuierten meist alten und kranken Menschen seien meistens sehr froh gewesen, wenn sie mit Hilfe der Malteser dem Wasser entkommen konnten.

Insgesamt waren von Einsatzbeginn bis -ende 67 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer mit zehn Fahrzeugen vom Stadtverband Würzburg und den Ortsverbänden im Landkreis in Dresden im Einsatz. „Wir sind sehr stolz, dass sich so viele Helferinnen und Helfer bereit erklärt haben, nach Dresden zu fahren“ resümiert Stefan Simon und nimmt gleichzeitig den Würzburgern eine Angst: „Auch bei einem Unglücksfall in Würzburg wären wir Malteser voll einsatzfähig gewesen: von jeder Facheinheit waren noch ausreichend qualifizierte Helfer und Führungskräfte in Würzburg!“

In Würzburg war auch die Einsatzleitung für alle Einsatzkräfte aus der Diözese Würzburg stationiert. Einsatzleiter Frank Drescher, Diözesangeschäftsführer Herbert Kiesel und der Würzburger Bereitschaftsführer Ernst Freier stellten eine 24 Stunden Dienstbereitschaft her. Sie waren die Verbindungsstelle zwischen der Gesamteinsatzleitung in Dresden, der Einsatzleitung Bayern in München und den Helfern in Dresden und koordinierten den Austausch von Helfern und Fahrzeugen. Außerdem hielten sie auch den Kontakt mit den anderen an dem Einsatz in Dresden beteiligten Würzburger Hilfsorganisationen.

Der Einsatz der bayerischen Hilfsorganisationen (Arbeiter Samariterbund, Bayerisches Rotes Kreuz, Johanniter und Malteser) erfolgte auf Anforderung des Bayerischen Innenministeriums, das im Rahmen eines Amtshilfeersuchens des sächsischen Innenministeriums um Unterstützung bei der Bewältigung der Aufgaben im Katastrophengebiet gebeten worden war.


„Das Leid auf der Welt wird nicht enden“

Eine Zwischenbilanz nach 40 Jahren Malteser Hilfsdienst in Unterfranken

Der Malteser Hilfsdienst e.V. in Deutschland ist - analog zur katholischen Kirche - in Diözesen organisiert. Oberstes Gremium auf dieser Ebene ist der Diözesanvorstand. Ihm gehören unter anderem an: Der Diözesanleiter, dem laut Satzung "die Sorge um die gesamte Tätigkeit in der Diözesangliederung obliegt". Die Diözesanoberin, zu deren Aufgaben "die Sorge um die Aus- und Fortbildung der Schwesternhelferinnen sowie um die Belange der weiblichen Mitglieder der aktiven Helferschaft" gehört. Und der Diözesangeschäftsführer, dem Geschäftsführer "nach den Weisungen der Diözesanorgane" obliegt. Die drei Vertreter der Würzburger Diözese, Richard-Franz Freiherr von Bechtolsheim, Martina Mirus und Herbert Kiesel, stellen sich zum Jubiläum ein paar Fragen.

40 Jahre Malteser in der Diözese Würzburg. Wo steht die Hilfsorganisation heute, wie präsentieren sich die Malteser?
Bechtolsheim:
Zahlenmäßig sind sie jedenfalls stärker als am Anfang. Und darüber hinaus hat sich auch die Art der Arbeit verändert. Während die Malteser früher sehr stark im technischen Bereich, also Rettungsdienst, Katastrophenschutz, Fernmeldewesen, engagiert waren, tritt jetzt die direkte Arbeit am Menschen immer stärker in der Vordergrund, zum Beispiel in der Hospizarbeit. Das ist für mich ein wichtiges positives Element, diese Arbeit von Mir zu Dir.
Kiesel:
Ich sehe die Umorientierung weg vom rein Technischen ebenfalls als überaus positiv. In den unterschiedlichsten Bereichen zeigt sich allerdings, dass man ohne Mithalten auf der technischen Seite bestimmte Dienste nicht mehr erfüllen kann, zumindest nicht mit dieser Qualität. Das fängt im Rettungsdienst an und geht über den Katastrophenschutz hin zur Kommunikationstechnik. Das heißt konkret: Wir dürfen das eine, die Mensch zu Mensch-Hinwendung nicht aus dem Auge verlieren und andererseits die Basis der technischen Hilfeleistung nicht vernachlässigen.

Gibt es denn dort ein Defizit?
Kiesel:
Ja, zum Beispiel im Katastrophenschutz, wo ein Strukturwandel von analoger zu digitaler Kommunikationstechnik ansteht. Wie der bewältigt werden soll, materiell und organisatorisch, ist noch nicht geklärt.

Das ist aber kein Malteser-spezifisches Problem?
Kiesel:
Nein, es trifft aber uns als Hilfsorganisation, die ihre Wurzeln im Katastrophenschutz und in der Ersten Hilfe hat, besonders hart.

Welche Konsequenz ergibt sich dar
Kiesel:
Man muss die Dienste, die man anbietet, permanent überprüfen: Können wir sie mit den uns zur Verfügung stehenden Menschen, den Ressourcen, den Finanzmitteln nachhaltig mit der gewünschten Qualität anbieten? Wir müssen den Mut haben, uns von Angeboten zu trennen, die durch dieses Raster fallen. Und es ist oberste Aufgabe, nach neuen Feldern zu suchen, auf denen menschliches Leid zu lindern ist.

Was heißt das konkret?
Kiesel:
Die Katastrophe in Eschede und das Elbe-Hochwasser haben gezeigt, dass bei aller materiellen Hilfe, die wir leisten konnten, die Betreuung und Nachsorge der Helfer und Anwohner nicht in dem Maße abgesichert ist, wie es notwendig wäre. Das ist ein Betätigungsfeld, um das wir uns in der Zukunft verstärkt kümmern werden.

Frau Mirus, wie sehen Sie die Malteser heute?
Mirus:
In diesem früher doch deutlich Macho-geprägten Verband hat eine andere, möglicherweise weibliche Seite Raum gewinnen können. Betreuungs-, Begleit- und Besuchsdienste, die ja eher von Frauen geleistet werden, sind heute weitaus stärker akzeptiert als vor ein paar Jahrzehnten. Außerdem haben sich die Helfer verändert. Früher ist man zu den Maltesern gegangen, weil es am Ort außer der Feuerwehr nichts anderes gegeben hat. Heute kommen andere Helfer, die sich mit der Frage auseinander gesetzt haben, wieso sie sich ehrenamtlich, wieso bei der Kirche, wieso bei den Maltesern engagieren wollen.
Bechtolsheim: Die Grundmotivation ist eine andere.

Wird es für die Malteser als katholische Hilfsorganisation nicht immer schwieriger, Helfer zu finden? Immerhin verliert die katholische Kirche kontinuierlich an Mitgliedern.
Mirus:
Da muss man sich die Frage stellen: Will ich Qualität und Quantität? Die Zahl derer, die ihr Engagement aus ihrem Glauben tragen, hat sich stark vermehrt. Und was nützt mir denn ein Verband mit 5000 Mitgliedern, wenn nur 50 die Idee leben? Zahlenwachstum allein ist keine Größe für mich.
Kiesel: Der Malteser Hilfsdienst ist ein Werk des Ordens, eines katholischen Ordens. Er setzt in dieser Tradition das Werk der katholischen Kirche fort mit aller Offenheit gegenüber christlichen Mitbrüdern. Diese Offenheit stößt dort an Grenzen, wo das Interne Regelwerk bestimmte Führungsstrukturen klar definiert. Das betrifft aber nicht die zu betreuenden Menschen.

Die letzten Jahre waren unter finanziellen Aspekten für die Malteser nicht gerade rosig. Wie ist die Situation jetzt?
Kiesel:
Wir erleben zurzeit in unserer Gesellschaft einen erheblichen Strukturwandel, der gravierende Auswirkungen in den Sozialbereich hinein hat. Die Kürzungen im Gesundheitswesen, das Pflegeversicherungsgesetz sind nicht spurlos an Hilfsorganisationen vorbei gegangen. Die Einführung von Wettbewerb bringt Konkurrenz- und Verteilungskampf mit sich, und jeder bleibt auf der Strecke, der als Hilfsorganisation nicht effizient arbeitet. Das heißt, dass für eine Hilfsorganisation jetzt die gleichen Spielregeln wie für Wirtschaftsunternehmen gelten. Wir Malteser haben deshalb eine einmalige Restrukturierung und Anpassung vollzogen. Das ist nicht ohne finanzielles Tal der Tränen abgegangen, es ist uns allerdings bis heute gelungen, das Ziel der Neugestaltung zu über 90 Prozent zu erreichen.

Wie wirkt sich das auf die Qualität der Arbeit aus?
Kiesel:
Wir unterziehen sehr viele unserer Internen Prozesse harten Prüfmechanismen nach Qualitätsmanagement-Kriterien. Wir sehen in der Veränderung eine Erhöhung der Qualität.

In den nächsten Jahrzehnten wird die Zahl der Alten deutlich steigen: mehr Geld vom Staat wird es wohl nicht geben und ob die Lust auf ehrenamtliches Engagement steigt, ist fraglich. Wie reagieren die Malteser auf diese Entwicklung?
Kiesel:
Wir versuchen derzeit auf den unterschiedlichsten Ebenen Handlungswege für den Verband zu erarbeiten, die genau diese strukturellen Veränderungen implizieren. Quintessenz aus heutiger Sicht: Der Einzelne wird für Leistungen im Sozialbereich aus eigener Tasche zuzahlen müssen. Wer das nicht kann, wird durch ehrenamtliche oder durch spendenfinanzierte Arbeit unterstützt. Zum Beispiel wird die Hospizarbeit, gerechnet auf Einsatzstunden, nie bezahlbar werden. Die Frage ist also, ob man genug Menschen findet, die sich ehrenamtlich engagieren werden und andere, die uns Geld geben, um Ausbildung und Begleitung sicherzustellen.

Warum sollte man sich bei den Maltesern engagieren?
Mirus:
Weil sie eine Organisation sind, die sehr nah am Menschen arbeitet.
Kiesel:
Die Malteser verstehen sich als Vehikel für den Einzelnen, seine christliche Nächstenliebe zu leben.
Bechtolsheim:
Es ist das Beispiel, das man geben kann. Man soll den christlichen Glauben nicht nur predigen, sondern ihn auch vorleben.
Mirus:
Und wenn das noch in einer netten Gruppe passiert, in der man sich wohl fühlt, umso besser.

Was meinen Sie, werden sich die Malteser in 40 Jahren präsentieren?
Kiesel:
Das ergibt sich im Grunde genommen schon aus einer Aussage von unserem Ordensgründer, Bruder Gerhard, der vor gut 900 Jahren gesagt hat: „Unsere Einrichtung wird unsterblich sein, weil das Leid auf der Welt nicht endet“. Vor diesem Hintergrund bin ich der festen Überzeugung, dass es in 40 Jahren auch noch Malteser geben wird.
Mirus:
Die sich um die dann bedürftigen Menschen kümmern.
Kiesel: Einer unserer Leitsätze heißt: „Aus Tradition modern“. Daraus lässt sich abzuleiten, was Frau Mirus gesagt hat: Die Malteser werden sich dann um die Probleme kümmern, die in dieser Zeit den Menschen Not machen. Auch wenn das möglicherweise traumatisierte Marsrückkehrer sind.

 

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