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Festakt im Fürstensaal der Würzburger Residenz

Ein Mann der ersten Stunde

„Schöner und schwerer Dienst“


Würzburger Katholisches Sonntagsblatt vom 13.10.2002

„Schöner und schwerer Dienst“

40 Jahre Malteser im Bistum - Diözesanleiter verabschiedet

Mit einem Festakt in der Würzburger Residenz hat der Malteser Hilfsdienst (MHD) der Diözese Würzburg am 29. September sein 40-jähriges Bestehen gefeiert. Richard-Franz Freiherr von Bechtolsheim wurde als dienstältester Diözesanleiter Deutschlands verabschiedet. Während der ganzen 40 Jahre hatte er Aufbau und Entwicklung der Malteser geprägt. Geschäftsführender Präsident Johannes Freiherr Heereman von Zuydtwyck hielt die Festansprache, den Festgottesdienst im Kiliansdom zelebrierte Bischof Paul- Werner. Viel Prominenz aus Politik und Verbänden war in den Fürstensaal der Residenz gekommen, Grußworte wurden gesprochen, gute Wünsche überbracht. Malteservertreter waren gar aus Kroatien, Rumänien, Ungarn und Russland angereist. Und in der vordersten Reihe hatte selbst der verdienstvolle, jetzt hochbetagte Ehrendiözesanarzt Dr. Paul Henselmans noch einmal seine graue Malteserkluft angelegt. 

Festredner von Zuydtwyck 
Zufrieden zurück lehnen wollte sich dennoch keiner. Vielmehr fragte Festredner Freiherr Heereman von Zuydtwyck, wie sich eine katholische Hilfsorganisation in einer der Kirche immer skeptischer gegenüber stehenden Welt verhalten solle? Könnten angesichts einer immer geringer werdenden Zahl von Katholiken konfessionelle Mitarbeiter die sozialen Aufgaben überhaupt noch leisten? Oder müsse man Bereiche an weltliche Wohlfahrtsverbände abgeben, um sich selbst treu zu bleiben? "Es kann nicht Aufgabe einer katholischen Hilfsorganisation sein, sich den Gesetzmäßigkeiten einer heutigen Gesellschaft anzupassen", meinte von Zuydtwyck. Der geschäftsführende Präsident forderte, sich auf das Potential in Gemeinden und kirchlicher Jugend zu konzentrieren. Dies bedeute nicht, ängstlicher Zurückgezogenheit das Wort zureden, sondern vielmehr, Zeugnis abzulegen für den Glauben. Man müsse auf jene jungen Menschen zugehen, die entschieden in den christlichen Dienst wollten, betonte der Festredner. "Das Maltesermotto ,Wahrung des Glaubens und Hilfe den Bedürftigen' ist keine Kleinigkeit", hatte bereits Bischof Paul- Werner betont. Wer dem Leitsatz des Hilfsdienstes folge, von dem werde viel verlangt. Es reiche nicht, technische Fähigkeiten zu entwickeln, die Menschen brauchten ganzheitliche Hilfe. Kranke spürten, ob sie nur ein Fall seien, oder ob man ihnen herzliche Zuneigung schenke. Unsere Einstellung zum anderen solle dabei von Hochschätzung bestimmt sein: "In Demut schätze einer den anderen höher ein als sich selbst", schreibe Paulus. So solle der MHD immer mehr zu einer "Gemeinschaft des Geistes" werden, sagte der Bischof. Die Verabschiedung von Gründungsdiözesanleiter Freiherr von Bechtolsheim stand unter dem Zeichen von Erfolg und Sympathie. Würzburg sei Spitze innerhalb der bayerischen Diözesen, und die Hospizarbeit sogar Spitze in Deutschland, würdigte Dr. Constantin von Brandenstein-Zeppelin die Arbeit Bechtolsheims.. Sein unprätentiöses und unkompliziertes Wesen, das sich mit enormer Motiviertheit getroffen habe, habe dies erst möglich gemacht.

St.-Bruno-Medaille verliehen
"Das Kreuz der Malteser, dem sie dienen, ist nichts anderes als das Kreuz Jesu Christi! Es ist ein schöner und schwerer Dienst", sagte der MHD-Präsident. Domkapitular Prälat Karl Rost zeichnete den scheidenden Diözesanvorsitzenden im Auftrag des Bischof mit der Brunomedaille aus. Als Auslandsbeauftragter wird Bechtolsheim der Organisation weiter erhalten bleiben. "Ich bin froh, unserem Herrgott auch als Laie gedient zu haben", freute sich von Bechtolsheim, "mein Leben wurde reicher und bunter". Sein designierter Nachfolger Hans-Georg von Mallinckrodt sagte, einem Vorbild wie von Bechtolsheim könne man zwar nacheifern, werde es aber wohl "nie erreichen".

Exakt 4985 Meter und 85 Zentimeter lang ist der Verband, den die Malteser auf ihrer 40-Jahr-Feier hinter dem Kiliansdom geknüpft haben. Das gewaltige Knäuel ist damit reif für den Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde. Im Vorfeld ihres Jubiläums hatten die Malteser die Bevölkerung dazu aufgerufen, alte und abgelaufene Verbandpäckchen bei ihnen gegen fabrikneue einzutauschen. Weit mehr als 1000 Exemplare wechselten so binnen vier Stunden den Besitzer. Malteser-Helfer knüpften daraus eine kilometerlange Binde, die noch am selben Abend auf dem Sanderrasen (Foto) vermessen wurde. 

Foto: Malteser


vom: 29.09.2002

Ein Mann der ersten Stunde

Malteser verabschieden beim Jubiläum langjährigen Leiter

Würzburg (ASA) Seit 40 Jahren gibt es den Malteser Hilfsdienst (MHD) in der Diözese Würzburg. An seiner Spitze stand Richard-Franz Freiherr von Bechtolsheim. Mit einem Pontifikalamt im Würzburger Dom und einem Festakt in der Residenz feierten die Malteser am Sonntag ihr Jubiläum und verabschiedeten den Diözesanleiter der ersten Stunde.

Vertreter der Kirche, aus Politik, Behörden und Wohlfahrtsverbänden überbrachten im Fürstensaal dem 71-jährigen Baron Bechtolsheim ihren Dank und Respekt. Prälat Karl Rost dankte ihm für die erfolgreiche Jugendarbeit der Malteser, die Jugendliche dazu animiere, sich nicht dem Selbstverwirklichungswahn zu ergeben, sowie für die Hospizarbeit, die die Malteser mit außerordentlichem Takt, Einfühlungsvermögen und tiefem Glauben leisteten. Im Namen von Bischof Paul-Werner Scheele überreichte er dem Freiherrn die St. Bruno-Medaille.

Über die Aufgaben einer katholischen Hilfsorganisation in einer säkularen Welt sprach Johannes Freiherr Heeremann von Zuydtwyck, geschäftsführender Präsident des MHD. In einer Welt, in der christlicher Glaube zwar eine Rolle spiele, die Bedeutung der Kirche aber stark rückläufig sei, müsse der MHD sein katholisches Profil bewahren. Das bedeute unter anderem, Einrichtungen, die mehr und mehr ohne katholisches Personal im Sinne der Malteser betrieben werden, an weltliche Hilfsorganisationen abzugeben.

Auf die Erfolge der Würzburger Malteser ging MHD-Präsident Constantin von Brandenstein-Zeppelin ein. So liege hier der MHD nicht nur mit der Zahl der ordentlichen Mitglieder in Bayern vorne, sondern auch mit den ehrenamtlich geführten Ortsverbänden (25), den Jugendlichen (784) und den ehrenamtlichen Helfern (1983). Auf Bundesebene sei die Zahl der Hospizhelfer (251) einmalig. "Ganz schweren Herzens" entpflichtete MHD-Präsident Brandenstein-Zeppelin den Baron: "In diesen 40 Jahren ist er allen, die im Ehrenamt arbeiten, ein Vorbild geworden."

Zugleich berief Brandenstein-Zeppelin den 51-jährigen Hans-Georg von Mallinckrodt als Nachfolger. Er ist Geschäftsführer einer Fachklinik in Bad Soden-Saalmünster und seit 1999 Mitglied des Malteser Ordens.

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