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Malteser Würzburg

Kinderpalliativteam: Malteser fordern von den Kassen faire Pauschale zur Finanzierung der vorgegebenen Strukturen

27.10.2017

Unterfranken. „Wir sind verärgert und enttäuscht“, so das Resumée von Malteser Diözesangeschäftsführer Stefan Dobhan und der Leiterin des Malteser Kinderpalliativteams Unterfranken Elke Schellenberger. Wochenlang haben sie mit den Krankenkassen über die Pauschale verhandelt, die die Malteser pro Quartal für ein von ihnen versorgtes Kind bekommen sollen – ergebnislos. „Wir haben anhand gesetzlicher Vorgaben ein Konzept er-stellt, das vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) mehrfach überprüft, verändert, ergänzt und schließlich genehmigt wurde“, erzählt Schellenberger von der bisherigen Vorgehensweise. Anhand dieser von den Kassen vorgegebenen Strukturen haben die Malteser schließlich eine Kostenkalkulation erstellt und den Kassen vorgelegt. Doch diese haben das Angebot abgelehnt und ihrerseits eines vorgelegt, das um 16% unter der für die Malteser notwendigen Vergütung liegt. „Das ist für uns inakzeptabel, denn es bedeutet ein jährliches Defizit von etwa 115.000 Euro“, betont Diözesangeschäftsführer Dobhan. Seit dem 1. Oktober sind Kinderärztin Schellenberger und ihr Team aus Kinderärzten und Kinderkrankenschwestern unterwegs zu den sterbenskranken Kindern und deren Familien in ganz Unterfranken. Voller Motivation und Engagement, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche - wie von den Krankenkassen gefordert. Vor zwei Tagen haben Schellenberger und ihr Team bereits das 15. Kind in ihre Versorgung aufgenommen – aber eben ohne Vergütung durch die Kassen. „Der fehlende Vertrag bedeutet auch, dass wir als Kinderpalliativteam keine Verordnungen über Medikamente oder Hilfsmittel ausstellen dürfen“, erklärt Elke Schellenberger eine weitere Schwierigkeit: „Jede Verordnung muss derzeit über den niedergelassenen Kinderarzt angefragt werden. Das bedeutet für uns eine ärgerliche und umständliche Schleife und für die Familien eine zusätzliche Belastung im Umgang mit ihrer sowieso schon schwierigen Situation.“ Steht das Kinderpalliativteam dann jetzt schon vor dem Aus? „Nein, wir lassen die betroffenen Familien nicht im Stich“, versichern die beiden Verantwortlichen. Die Malteser haben ein finanzielles Polster, das sie durch die großzügige Unterstützung durch die Aktion Sternstunden des Bayerischen Rundfunks (240.000 Euro) und der Caritasstiftung der Diözese Würzburg (210.000 Euro) und zahlreicher anderer Spender aufgebaut haben. Die-se reiche auf jeden Fall für die nächsten Monate. „Aber es kann ja nicht sein, dass wir mit Spendengeldern etwas finanzieren, was die Kassen uns vorschreiben, aber dann nicht be-zahlen möchten!“ Das sei sicher nicht im Sinne der bisherigen Geldgeber. „Wir brauchen unbedingt eine faire Pauschale, mit der wir das Kinderpalliativteam nach den Vorgaben der Kassen auch finanzieren können“, fordert der Diözesangeschäftsführer und hofft auf die breite Unterstützung durch die Öffentlichkeit und die Politik in ihrer Angelegenheit. Hintergrund: Jedes Jahr sterben etwa 50 Kinder und Jugendliche in Unterfranken an einer unheilbaren Krankheit. Wenn sich bei diesen jungen Menschen das Lebensende abzeichnet, wird es für viele Familien immer wichtiger, die verbleibende Zeit gemeinsam zu Hause verbringen zu können und nicht ständig im Krankenhaus sein zu müssen. Sie möchten nicht mehr getrennt sein - von einander, von Freunden, vom gewohnten Umfeld, der liebgewonnenen Umgebung. Aber das gelingt nur mit adäquater Unterstützung, insbesondere auch medizinischer und pflegerischer Hilfe. Die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) ist seit 2007 gesetzlich verankert. Die Regelung ermöglicht ambulanten Palliativ-Care-Teams junge und jugendliche Patienten mit lebensverkürzenden Erkrankungen zu Hause zu versorgen. So können lange Krankenhausaufenthalte vermieden werden und schwerstkranke Kinder gemeinsam mit ihren Eltern und Geschwistern die verbleibende Zeit in der vertrauten häuslichen Umgebung verbringen.

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